Kein Schweizerkreuz – zur Reise nach Savoyen und ins Piemont vom 11.September bis zum 18. September 2019

Das letzte Wochenende haben wir mit einer kleinen Gruppe in Turin verbracht auf den Spuren der Savoyer-Dynastie.

Die Savoyer haben bekanntlich das Waadtland regiert, bevor es 1536 von den Bernern erobert wurde.

Den Genfern sind die Savoyer nicht nur als Grenzgänger bekannt. Sie erinnern sich auch daran, dass sie in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 beim Versuch gescheitert sind, die Stadtmauern zu erklettern und die protestantische Hochburg mit militärischer Gewalt wieder ins katholische Herzogtum Savoyen einzugliedern. Seither wird die Niederlage der Savoyer und der Sieg der Genfer bei der Escalade jedes Jahr im Dezember ausgiebig gefeiert, mit einem Volksfest und einem historischen Umzug.

Die Fahrt mit dem Zug fanden wir ganz reizvoll. Von Genf ging es zwischen Rhone und Jura nach Süden, dann bei sonnigem und klarem Wetter dem Ufer des Lac de Bourget entlang bis zur sympathischen Kleinstadt Chambéry. Bei der Weiterreise vom herzoglichen Chambéry ins königliche Turin schlängelte sich der TGV Paris-Mailand ganz nach unserem Motto slow travel in mässigem Tempo durch die Alpentäler hinauf nach Modane und Bardonecchia (1240 m ü. M.), bevor er vorbei an Abgründen und steilen Felswänden zur Poebene hinunter rollte bis in die Metropole Turin mit ihren grosszügigen, kilometerlangen Lauben oder portici.

Die Atmosphäre im Viertel Quadrilatero Romano in Turin an einem Spätsommerabend könnte man beschreiben oder als Filmsequenz schildern, aber selbst dort zu sein ist ein spezielles Erlebnis. Eine Erfahrung ist auch die Küche, besser als die Lektüre eines Kochbuches. Nur so viel: Nicht zufällig kommt auch slow food aus dem Piemont.

Die Hinterlassenschaft der Savoyer entdeckten wir auf unserer Reise nicht nur in den Palästen der Könige von Sardinien, sondern auch an unerwarteten Orten.

Zum Beispiel auf diesem Briefkasten der regie poste, der königlichen Postbetriebe, im ältesten Marienheiligtum der Alpen, im imposanten Santuario di Oropa. Das Zeichen sieht fast aus wie ein Schweizerkreuz, ist aber keins. Der Briefkasten, kein Museumsstück, wird täglich geleert.

Wir werden unsere Reise wohl in ähnlicher Weise wiederholen, voraussichtlich 2021, zum hundertfünfzigsten Jahrestag der Eröffnung der Alpenbahn, deren Bau eine Herausforderung war für die besten Ingenieure ihrer Zeit und für die Arbeiter, die vierzehn Jahre brauchten, um ihr Werk zu vollenden.