Brugg, Habsburg, Königsfelden – 3. August 2019

Bei der Vorbereitung des Tagesausflugs zu den frühen Habsburgern stellte ich mir die Frage, ob es einen logischen und chronologischen Weg gibt, der die Ursprungsorte der Dynastie in und um Brugg auf einer angenehmen Wanderung verbindet.

Meine Antwort ist ja.

Um die Besonderheit des aargauischen Städtchens Brugg in vorindustrieller Zeit zu begreifen, muss man sich dorthin begeben, wo die mächtige Aare sich in einen schmalen Spalt zwängt. Es braucht keine besondere Ausbildung, um zu erkennen, dass dies die naheliegendste Stelle für den Bau einer Brücke ist. Das haben die Römer gemerkt, für die Brugg bald ein Verkehrskontenpunkt wurde, und nach ihnen die Habsburger. Brugg hat die Aarebrücke im Namen und im Wappen. Wenn man die Brücke nicht gesehen hat, kann man Brugg nicht verstehen.

Von der Brücke aus führt ein angenehmer Wanderweg flussaufwärts der Aare entlang nach Altenburg, wo sich Guntram, einer der Urahnen der Habsburger, zwischen den Resten eines römischen Kastells niedergelassen hat. Die Burg ist heute eine Jugendherberge. Guntram stammte aus der elsässischen Familie der Etichonen, wenn man der Chronik über die Gründung des Klosters Muri Glauben schenkt, einer frühen Gründung der Habsburger. In Altenburg wurde dann Guntrams Sohn Kanzelin geboren, und um das Jahr 985 dessen Sohn Radbot.

Radbot hat nichts Schriftliches hinterlassen, dafür spielt er eine Rolle in der Legende über die Gründung der Habsburg. Radbot jagte mit einem Habicht. Der entflog ihm, und Radbot folgte ihm durch den Wald bergaufwärts bis zur höchsten Stelle. Der Ort gefiel ihm und er beschloss, dort eine Burg zu erbauen. Weil weder er noch seine Frau Ita von Lothringen die dazu nötigen Finanzen hatte, half ihm sein Schwager, der Bischof von Strassburg.

Um zu Fuss von der Altenburg zur Habichtsburg / Habsburg zu gelangen, gibt es einen direkten Weg. Der führt ein Stück weit der Aare entlang, dann überquert man Hauptstrasse, Bahnlinie und ein Werkgelände mit Zementbauteilen und steigt direkt in den Wald, der zur Habsburg führt. So etwa muss Radbots Habicht vor tausend Jahren geflogen sein, und hinter ihm zu Fuss oder zu Pferd stellen wir uns Radbot vor. (Hinweis: Der tausendjährige Weg in den Wald ist inzwischen unterbrochen und abgesperrt – hoffentlich nicht für die nächsten tausend Jahre).

Der erste Habsburger, der 1273 deutscher König wurde, war Rudolf, der sich gerne als armer Graf darstellte, um seinen Rivalen, den mächtigen König von Böhmen, um so besser demütigen zu können. Ganz arm war er nicht, aber offenbar pragmatisch und vergleichsweise bescheiden, also nicht unschweizerisch. Wie alle frühen Habsburger reiste er viel und pflegte seine Beziehungen. Als König sorgte er auch dafür, dass seinen Söhnen die Herzogtümer Österreich, Kärnten und Steiermark als Lehen verliehen wurde.

Mehr als sechshundert Jahre lang haben die Habsburger in Österreich geherrscht. Und damit nicht genug. Was andere mit dem Kriegsgott Mars erkämpften, das fiel den Habsburgern dank der Liebesgöttin Venus in den Schoss. So zumindest formulierte es die habsburgische Propaganda. Weil man im glücklichen Österreich zielgerichtet heiratete, beherrschten die Habsburger zeitweise ein Reich, in dem die Sonne nie unterging. Eine Geschichte, die es auf der Welt nur einmal gibt und die in und um Brugg beginnt.

Vom Dachstock der Habsburg sieht man die ehemalige Klosterkirche Königsfelden. Sie ist ein weiterer wichtiger Ort zum Verständnis der frühen Habsburger. Dorthin gelangten wir nach einem guten Mittagessen auf der schattigen Terrasse des Schloss-Restaurants.
Unterwegs, beim Fundament des Galgens des Amtes Königsfelden, kann man anhalten und den grauslichen Mord am zweiten Habsburgerkönig schildern. Es geschah im Frühling 1308. König Albrechts Neffe Johann durchbohrte dem König mit dem Schwert den Hals, während ein Kumpan ihm von hinten den Dolch in den Rücken rammte und ein dritter Verschwörer ihm mit einer Axt den Schädel spaltete. Kein würdiger Tod für einen deutschen König, aber ein Grund, um eine Gedächtniskirche zu errichten, die der Reiseführer Baedeker als «das wertvollste Kulturdenkmal des Kantons» bezeichnet.

Innerhalb der Mauern des Klosters, zusammen mit Mönchen des Franziskanerordens und Nonnen des Klarissenordens, lebte Agnes, Tochter des Ermordeten und Witwe des Königs von Ungarn, eine reiche und respektierte Frau, in ihrem eigenen Haus, ohne ein Gelübde abzulegen. Mit ihrer Persönlichkeit, ihren Überzeugungen und ihren Fähigkeiten verstand sie es, durch Verhandlungen verschiedene Kriege zu beenden. Aus ihrer Zeit stammen die wertvollen Glasmalereien in der Kirche, die meist um das Jahr 1325 entstanden sind. Die mittleren drei der elf hohen Chorfenster stellen Passionsgeschichte, Menschwerdung Christi und Auferstehung dar.

Die seitlichen Fenster zeigen Johannes und Katharina, Paulus und Maria, Anna und Klara, Nikolaus und den heiligen Franziskus – das bekannte Bild der Vogelpredigt wurde Motiv für eine Briefmarke. Auf den untersten Fenstern erkennt man Stifterinnen und Stifter mit ihren Wappen. Die Berner, die Brugg und Königsfelden 1415 eroberten, haben die Glasfenster nicht zerstört, sondern repariert. So kam die eben aus den Rippen des Adam erschaffene Eva 1508 zu ihrer hübschen Renaissance-Gestalt.